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So funktioniert Ultraschallreinigung — Kavitation einfach erklärt

Kavitation ist das Herzstück jeder Ultraschallreinigung. Wir erklären das physikalische Prinzip, warum es so wirkungsvoll ist und wie Bandelin es mit SWEEP-Technologie perfektioniert hat.

Schmidt Laborgeräte · 15. März 2026

Wenn Sie ein Ultraschallbad einschalten, passiert etwas Bemerkenswertes: Millionen winziger Blasen entstehen und implodieren in Sekundenbruchteilen. Dieser Prozess heißt Kavitation — und er ist der Grund, warum Ultraschallreinigung so viel gründlicher arbeitet als jede manuelle Methode.

Was genau ist Kavitation?

Am Boden des Ultraschallbades sitzen piezoelektrische Wandler (Transducer). Diese wandeln elektrische Energie in mechanische Schwingungen um — typischerweise mit einer Frequenz von 35.000 Hertz (35 kHz). Das bedeutet: Der Wannenboden schwingt 35.000 Mal pro Sekunde.

Diese Schwingungen erzeugen in der Reinigungsflüssigkeit abwechselnd Über- und Unterdruckphasen:

  • Unterdruckphase (Rarefaktion): Der lokale Druck fällt unter den Dampfdruck der Flüssigkeit. Es entstehen mikroskopisch kleine Vakuumblasen — typisch 5 bis 100 Mikrometer groß.
  • Überdruckphase (Kompression): Der Druck steigt wieder an. Die Blasen können dem Druck nicht standhalten und kollabieren schlagartig — sie implodieren.

Die Kraft der Implosion

Was bei dieser Implosion passiert, ist physikalisch beeindruckend:

  • Temperaturen bis 5.000 °C entstehen für Bruchteile von Mikrosekunden im Zentrum der kollabierenden Blase
  • Drücke bis 1.000 bar werden lokal erzeugt
  • Mikrojets — winzige Flüssigkeitsstrahlen — treffen mit bis zu 400 km/h auf die Oberfläche des Reinigungsgutes
  • Stoßwellen breiten sich von der Implosionsstelle aus und lösen Verschmutzungen auch in der Umgebung

Diese Effekte sind rein mechanisch. Es findet keine chemische Reaktion statt, die Oberflächen angreifen könnte. Das macht Ultraschallreinigung so materialschonend.

Transiente vs. stabile Kavitation

In der Physik unterscheidet man zwei Arten von Kavitation:

Transiente (instabile) Kavitation: Die Blasen entstehen und kollabieren innerhalb eines einzigen Schwingungszyklus. Diese Kavitation ist aggressiver und erzeugt die oben beschriebenen extremen Bedingungen. Sie ist hauptverantwortlich für die Reinigungswirkung.

Stabile Kavitation: Die Blasen oszillieren über mehrere Zyklen, ohne zu kollabieren. Sie erzeugen Mikroströmungen (Acoustic Streaming), die Verschmutzungen sanft von der Oberfläche lösen. Diese Art der Kavitation ist schonender und eignet sich besonders für empfindliche Materialien.

In der Praxis treten immer beide Formen gleichzeitig auf. Das Verhältnis hängt von Frequenz, Temperatur und Reinigungsmedium ab.

Warum erreicht Ultraschall auch schwer zugängliche Stellen?

Der entscheidende Vorteil: Kavitation entsteht überall in der Flüssigkeit, wo die Schallwellen hingelangen. Das bedeutet:

  • Sacklöcher und Bohrungen werden von innen gereinigt
  • Gewinde, Rillen und Vertiefungen werden erreicht
  • Komplexe Geometrien wie Zahnprothesen oder Uhrengehäuse werden gleichmäßig gereinigt
  • Auch gestapelte oder geschichtete Teile (in Körben) werden erfasst

Keine Bürste und kein Lappen kommt an diese Stellen. Das ist der Hauptgrund, warum Zahnarztpraxen, Labore und Optiker auf Ultraschallreinigung setzen.

Bandelin SWEEP-Technologie

Ein klassisches Problem bei Ultraschallbädern: Stehende Wellen. Durch die feste Frequenz des Generators entstehen in der Wanne Zonen mit starker Kavitation und Zonen mit wenig Kavitation (sogenannte Knoten und Bäuche).

Bandelin löst dieses Problem mit der SWEEP-Technologie: Die Frequenz wird kontinuierlich um ±1–3 kHz moduliert. Dadurch verschieben sich die Knotenpunkte ständig, und die Kavitation verteilt sich gleichmäßig im gesamten Bad.

Das Ergebnis: Gleichmäßige Reinigung überall in der Wanne, unabhängig von der Position des Reinigungsgutes.

Einflussfaktoren auf die Kavitation

Frequenz: Niedrigere Frequenzen (25 kHz) erzeugen größere, aggressivere Blasen. Höhere Frequenzen (80–130 kHz) erzeugen kleinere, sanftere Blasen. 35 kHz ist der optimale Kompromiss für die meisten Anwendungen.

Temperatur: Der Sweet Spot liegt bei 50–65 °C. Zu kalt — weniger Kavitation. Zu heiß — die Blasen enthalten zu viel Dampf und implodieren weniger energisch (dämpfende Wirkung).

Reinigungsmedium: Tenside (Reinigungskonzentrate) senken die Oberflächenspannung und erleichtern die Blasenbildung. Entgastes Wasser kavitiert besser als frisches Leitungswasser — deshalb haben Bandelin-Geräte eine Degas-Funktion.

Leistungsdichte: Gemessen in Watt pro Liter. Eine höhere Leistungsdichte bedeutet mehr Kavitation. Bandelin SONOREX Geräte sind auf optimale Leistungsdichte für ihr jeweiliges Wannenvolumen ausgelegt.

Fazit: Warum Kavitation die überlegene Reinigungsmethode ist

Ultraschallreinigung durch Kavitation ist nicht einfach „Wasser mit Vibration". Es ist ein physikalischer Prozess, der an jedem Punkt der Flüssigkeit extreme Reinigungskräfte erzeugt — sanft genug für Goldschmuck, kraftvoll genug für industrielle Bauteile. Und mit Bandelin-Technologien wie SWEEP und Degas wird das Prinzip zur Perfektion gebracht.

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